Oruro
Oruro ist ein mystischer und mythischer Ort. Seine Bewohner pflegen noch Traditionen und Riten an heiligen andinen Stätten wie den Steinformationen El Cóndor, La Víbora, El Sapo, El Lagarto und Las Hormigas. In diese andinen Zeremonien haben auch die von den Spaniern importierten christlichen Glaubensinhalte Eingang gefunden. In Oruro finden wir indigene Volksstämme, die auf dem amerikanischen Kontinent große Bedeutung haben, wie die ethnischen Gruppen der Urus, der Uru-Muratos und der Uru-Chipayas.Trotz des die Region prägenden ödlands hat die Natur Oruro mit reichhaltigen Ressourcen gesegnet. Neben den ausgedehnten Mineralvorkommen sind auch andere Naturgeschenke wie die Theramalquellen von Capachos (10 km von Oruro entfernt), Obrajes (20 km) und Pazña (7 km) zu nennen. Darüber hinaus gibt es in Oruro aktive Vulkane und Seeökosysteme wie den Poopó-See, der unzähligen Flamingos und anderen Seevögeln Heimat bietet. Und es gibt Wüsten, in denen der Besucher häufig den Täuschungen einer Fata Morgana zum Opfer fällt, sowie ausgedehnte Salzlagunen, deren bedeutendste diejenige von Coipasa ist. Ein anderes interessantes, 20 km von der Ortschaft Turco entfernt liegendes Naturphänomen ist Pumiri mit seinen sich über ein Gebiet von 5 km erstreckenden, beeindruckenden und gewaltigen Steinformationen.
Besondere Erwähnung verdient schließlich auch die Salzlagune Salinas de Garcia Mendoza - Anziehungspunkte also, die Oruro zu einem der interessantesten Zielgebiete für den Abenteuertourismus machen.
Allgemeine Angaben
Lage: Im zentralen Altiplano Boliviens gelegen, ist das Departamento Oruro der Mittelpunkt des bolivianischen Eisenbahnnetzes und Wiege einer Bergbautradition, die weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt ist. Oruro ist auch heute noch ein bedeutendes Bergbauzentrum, dessen Name mit einer hohen Zinn-, Blei-, Antimon- und Silberproduktion verbunden wird.Fläche: 53.588 km²
Bevölkerung: 390.477 Einwohner (Stand im Jahre 2001)
Hauptortsfeste:
Karneval (Carnaval): (beweglich) Februar/März
Señor de Lagunas: 16. August
Klima: Oruro hat ein kaltes Klima mit Zonen eines gemäßigten Mikroklimas.
Sprachen: Spanisch, Ketschua und Aymara
Zugangswege:
Per Bus: von La Paz, Cochabamba, Sucre, Potosí, Arica und Iquique (Chile) aus
Per Zug: von Potosí, La Paz, Cochabamba und Uyuni aus
Touristeninformation in Oruro:
Unidad Departamental de Turismo. Edificio de la Prefectura (Plaza 10 de Febrero). Tel. +591 (2) 5250144
Der Karneval von Oruro:
Der Karneval von Oruro, ein Fest mit heidnisch-religiösem Charakter, das seine Ursprünge in der Zeit der Kolonisierung hat, ist zum unantastbaren Kulturerbe der Menschheit erklärt worden. So soll der Sage nach einst ein Räuber namens "Chiru-Chiru" in einem verlassenen Stollen des Berges "Pie de Gallo" gelebt haben und bei einem seiner nächtlichen Streifzüge von einem Arbeiter tödlich verletzt worden war, der ihn dabei ertappt hatte, als er dessen einziges Gut, das dieser besaß und das für ihn von großem Wert war, rauben wollte. In seiner Sterbestunde wurde der Räuber von einer wohltätigen Jungfrau des Ortes zu seiner Höhle geführt. Am folgenden Tag war die überraschung der Bergarbeiter der Umgebung groß, als sie die Leiche des Räubers fanden und bei dieser das wundervolle Bild der Virgen de la Candelaria, die am Kopfende des armseligen Betts des Räubers wachte. Einige Zeit später erinnerten sich die Bergleute daran, dass der Stollen in dem Berg "Pie de Gallo" den Namen "Stollen der Jungfrau" (Socavón de la Virgen) trug. In den darauffolgenden Jahren sollte das Fest der Virgen de la Candelaria, deren Jahrestag der 2. Februar ist, mit großem Pomp gefeiert werden. Heute jedoch wird der Samstag als Karneval gefeiert. Um die Virgen und Patronin der Bergleute zu ehren, verkleiden diese sich als Teufel, um dem Fest somit Glanz und Farbenpracht zu verleihen.
Die Tänze: Es gibt eine große Zahl verschiedener Tänze, die am Fest der Virgen del Socavón aufgeführt werden, das inzwischen eher unter dem Namen Karneval von Oruro (Carnaval de Oruro) bekannt ist. Zu diesen Tänzen zählen besonders folgende:
Die Diablada:Die Diablada von Oruro ist ein im Leben der Bergleute verwurzelter Tanz, der eine mystische Verkörperung des Supay (ein aus der Ketschua-Sprache stammendes Wort mit der Bedeutung "Teufel") darstellt, der von den Bergleuten "El Tío" genannt wird. Die kulturelle Symbiose der andinen und der christlichen Religion hat ihren Ursprung in den Anfängen der Kolonialepoche, als die Mitayos, d.h. eingeborene Bergarbeiter jener Zeit, durch ihr trauriges, sie zu einem Leben als Arbeiter in den Bergwerkstollen verurteilendes Schicksal niedergedrückt waren. Als Kompensation für ihre Leiden fanden sie Erleichterung im Respekt gegenüber dem "Tío" bzw. dem Teufel als dem Herrn der Stollen, aber gleichzeitig auch in der Verehrung der Virgen del Socavón oder Virgen de la Candelaria.
La Morenada:
Die Morenada ist ein Tanz von Schwarz- oder Dunkelhäutigen, der ursprünglich zur Zeit der Kolonisation im Land eingeführt wurde, als Afrikaner die Mitayos bei den Arbeiten in den Minen von Oruro und Potosí ersetzen mussten. Die Tänze selbst stellen eine satirische Wiedergabe der Tänze an den Vizeköniglichen Höfen dar. Außerdem lässt die Morenada die Sklaverei der Afrikaner unter der Herrschaft der Spanier wieder auferstehen, als ein Aufseher die Vorarbeiter anführte, die ihrerseits die Sklaven beaufsichtigten und auf unmenschliche Weise ausbeuteten. Der Takt der Klappern symbolisiert hierbei das Geräusch der Ketten und Fußeisen der Sklaven, während die schwarzen Tänzerinnen die treuen Dienerinnen der spanischen Patrones darstellen.
Tobas:Los Tobas ist ein mit bewegtem Schritt vorgetragener Kriegstanz, der seine Wurzeln in der Zeit der Ausdehnung des Inka-Reiches hat. Damals wurden Gruppen von Menschen anderer Kulturen wie die Tobas und Chunchos in die andinen Zonen verschleppt, wo sie als Beweis für die Inka-Siege in den tropischen Ebenen dienten.
Tinkus:
"Tinku" bedeutet Begegnung. Der Tinku kann als traditioneller Tanz mit kriegerischem Hintergrund gesehen werden, der im Norden von Potosí und im Süden von Oruro bekannt ist und aufgeführt wird. Es handelt sich um einen rituellen Traditionstanz, bei dem sich die Indígenas begegnen und ihre Kräfte aneinander messen.
Caporales:
Der Tanz der Aufseher (danza de los caporales) ist ein Tanz aus der Zeit der Nachfahren der schwarzen Sklaven der Kolonien, der den Vorarbeiter darstellt, der die Neger bei der Tagesarbeit mit einer Peitsche beaufsichtigt.
Los doctorcitos:
Los doctorcitos ist ein satirischer Tanz, der das Auftreten der Winkeladvokaten gegenüber den wehrlosen Ureinwohnern ins Lächerliche zieht.
Touristenattraktionen in der Stadt Oruro
Das Stollenheiligtum (Santuario del Socavón)Eine Besonderheit im religiösen Leben Oruros ist ein Heiligtum, das von den Bewohnern des Departamento oft besucht und als Betstätte genutzt wird.
Der "Santuario del Socavón" ist ein religiöser Tempel, in dem die Virgen de la Candelaria, die Patronin der Bergarbeiter, verehrt wird, die vor Ort auch den Namen Virgen del Socavón trägt. Es handelt sich um ein außergewöhnliches, keine Mestizin darstellendes und auf Luftziegel gemaltes Bild. Diese Luftziegel waren vermutlich Teil einer Innenmauer zwischen dem ausgehenden 15. und dem beginnenden 16. Jahrhundert zu datieren ist. Zu Ehren dieses Bildes wird der glücksbringende, folkloristisch geprägte Beginn des Karnevals gefeiert. Das Heiligtum selbst wird derzeit von den Mönchen des Ordens der Diener Mariens (Siervos de María) verwaltet.
Die Kirche San Miguel in der zone der Hüttensiedlungen (Zona de la Ranchería)
Die Kirche San Miguel gilt als eine der ältesten des Ortes und wurde zum Zweck der Evangelisierung der indigenen Bevölkerung erbaut. In ihrem Innern befinden sich Gemälde und Skulpturen von hohem religiösen Wert, unter anderem eine Statue des Erzengels Michael (San Miguel Arcángel). Die Finanzierung dieser Statue wird Francisco de Medrano zugeschrieben.
Die Kirche Santo Domingo
Die Kirche Santo Domingo geht auf das Jahr 1602 zurück und hat zahlreiche Veränderungen durchlebt. Ihr heutiger Grundriss ist ein Werk des 18. Jahrhunderts, der allerdings zu Beginn des 20. Jahrhunderts umgebaut wurde. Ursprünglich stand die Kirche unter der Leitung von Mitgliedern des Predigerordens, dem auch der zur Zeit der Konquista als "Indianerapostel" (apóstol de los indios) bekannte Fray Bartolomé de las Casas angehörte.
Das Haus der Kultur (La Casa de la Cultura)
Das Haus der Kultur (Casa de la Cultura) befindet sich im Besitz des als Zinnbaron bekannt gewordenen Simón Patiños und beherbergt eine Pinakothek mit Kunstwerken der Kolonialzeit sowie Möbeln im Stil Ludwigs XV. und XVI.
Das Ethnographie- und Bergbau-Museum (Museo Etnográfico Minero)
Das relativ junge Ethnographie- und Bergbau-Museum ist unterirdisch im Cerro Pie de Gallo untergebracht, im Stollenheiligtum (Santuario del Socavón), wo das Arbeiten im Innern einer Silbermine im perfekten Ambiente der Kolonialzeit besichtigt werden kann.
Die Portada del Beaterio
Das in Stein gehauene Portal Portada del Beaterio ist ein Wallfahrtszentrum zu Ehren seiner Gründerin, der 1993 selig gesprochenen Schwester Nazaria March. Die Portada gehört zu einem Konvent, in dem es auch ein kleines Museum mit den persönlichen Dingen der Gründerin gibt.
Der Faro de Conchupata
An dieser Stelle, an der erstmalig die heutige Nationalflagge Boliviens gehisst wurde, bietet der zum Nationaldenkmal erhobene Faro de Conchupata einen beeindruckenden Rundblick über die Stadt Oruro.
Weitere sehenswerte Stätten
Zu den weiteren sehenswerten Stätten der Region zählen der Zoologische Park (Parque Zoológico) mit Exemplaren der regionalen Tierwelt (Llamas, Alpacas, Vikunjas, Gürteltieren und anderen Tieren), das Mineralogische Museum (Museo Mineralógico) mit 7600 Proben von in Bolivien zutage geförderten Mineralien einschließlich seiner Abteilungen für Petrographie, Mineralogie und Paläontologie sowie das Nationalmuseum für Anthropologie und Archäologie (Museo Nacional de Antropología y Arqueología) mit einer der größten Sammlungen zur Entwicklungsgeschichte von Masken sowie andinen Perkussions- und Luftinstrumenten, wobei sich ein Bereich der Sammlung besonders der Chipaya-Kultur widmet.
Die Kirche von Yarvicoya ist ein weiteres bemerkenswertes Beispiel für den in Oruro vertretenen Mestizenbarock. Sie findet sich wenige Kilometer von Oruro entfernt, im Jurisdiktionsbezirk von Caracollo in der Provinz Cercado. Um zur Kirche zu gelangen, biegt man von der Landstraße nach La Paz in östlicher Richtung ab. Der einschiffige Bau, der über Triumphbogen, Kopfbalken, Plenum und Chorraum verfügt, wurde zum Nationaldenkmal erklärt. Der Turm ist angebaut und das Portal aus einem einzigen Stein gehauen. Die ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammende Kirche weist Spuren neuerer änderungen auf. Der im ihrem Innern befindliche Retabel, auf dem sich tarnende Schlangen zu sehen sind, ist mit Blattgold überzogen. In der Nähe der Kirche finden sich zudem Reste eines kolonialzeitlichen Bergbaus.
Sehenswürdigkeiten im Departement Oruro
Chipayas
In dem 188 Kilometer von Oruro entfernt gelegenen Ort Chipaya haben sich Spuren der Chipaya-Kultur, der ältesten im Land überlebenden Kulturen, erhalten. Hierzu zählen das Agrarsystem, das Hausbauwesen sowie die Organisationsform des gesellschaftlichen Lebens. Darüber hinaus gibt es in dem Ort zahlreiche Kirchen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.
Der Poopo-See (Das Quillacas-Heiligtum)
In der Region des Poopó-Sees sind das Heiligtum von Quillacas sowie die Siedlungen von Sepulturas, Sora-Sora, Poopó, Pazña, Challapata und Machacamarca besuchenswert, die jeweils Besonderheiten wie Kirchen, Thermalbäder, den Uru Uru-See sowie den Poopó-See selbst bieten. Hier finden sich zudem Landschaften von unvergleichlicher Schönheit mit Sandbänken sowie einer beeindruckenden Wasserpflanzenwelt und verschiedenen andinen Vogelarten.

Der Nationalpark Sajama
Im Nationalpark Sajama befinden sich der Queñuas-Wald und der Vulkan Sajama mit einer Höhe von 6542 Metern. Sein Gipfel, der in prähispanischer Zeit als Heiligtum galt und in dessen Umgebung sich eine Reihe archäologischer Stätten befinden, ist der zweithöchste des Landes.
Die Chullpas am Rio Lauca auf dem Carangas-Territorium
Im Gebiet des Río Lauca findet sich eine bedeutende Ansammlung von Chullpas, d.h. präkolumbinischer Grabstätten. Diese sind mit geometrischen, aus bunten Luftziegeln geformten Figuren verziert. Beidseitig des Flusses liegen die Macaya- und die Sabacaya-Lagune, die den Río Lauca symmetrisch umschließen und so das Bild zweier großer Augen innerhalb eines anthropomorphen Gebildes abgeben.
Von Norden nach Süden gesehen ist der erste Komplex derjenige des Macaya. Der aus vier Chullpas bestehende Komplex erstreckt sich am Hang des Berges mit Blick in Richtung Osten auf die Lagune. Jiska Molle Pucara mit fünf Grabstätten schließt sich an. Dem Flusslauf des Río Lauca in Richtung Süden folgend trifft man auf einen dritten Komplex, eine Wila Kollu genannte Stätte mit 10 Chullpas, und schließlich auf Jallu-Chullpa mit dem mit Kreisen verzierten Grabturm. Im Südosten der Sacabaya-Lagune schließlich gibt es noch zwei weitere Chullperíos (Chullpa-Ansammlungen) einschließlich ihrer Türme. Insgesamt sind hier 54 Chullpas anzutreffen, von denen 36 mit farbigen Mustern verziert sind.