Bolivien in Deutschland

Vortrag von S.E. Evo Morales Ayma an der Technischen Universität Berlin

Foto: © David Ausserhofer- TU Berlin

Kulturen

In Bolivien leben 36 indigene Nationen oder Völker, welche die Verfassung alle anerkennt. Je nach Region unterscheiden sich ihre Kleidung, Bräuche, Traditionen, Tänze und Rhythmen.

Von den 36 offiziell anerkannten Sprachen werden Spanisch, Quechua, Aymara und Guaraní am häufigsten gesprochen. Zu den bedrohten Sprachen zählen hingegen Araona, Mosetén, Movima, Sirionó, Yaminahua, Tapiete und Machineri.

Seit der Kolonialzeit, während der sich die Traditionen der indigenen Bevölkerung mit denen der Spanier vermischt haben, hat sich eine große Vielfalt an Kleidungsstilen, Tänzen und Bräuchen bewahrt. Diese Verschmelzung spiegelt sich in zahlreichen folkloristischen Festen wider. Dazu zählen der Karneval von Oruro, die Entrada del Gran Poder in La Paz, der Einzug der Jungfrau von Urkupiña in Cochabamba und das Chutillos-Fest in Potosí.

Während dieser Feste werden typische Tänze wie die Diablada, Morenada, Incas, der Pujllay, Caporales, Negritos, die Llamerada, Ahuatiris, Tarqueada, die Tinkus, Suri und viele mehr getanzt. Dabei sind Farben im Überfluss sowie eine kuriose Mischung aus heidnischen und katholischen Elementen zu bestaunen.

Ein weiterer charakteristischer Aspekt der bolivianischen Folklore sind Instrumente wie das Charango (Zupfinstrument), die Quena (Holz- oder Bambusblasinstrument), die Tarija-Violine, die Erke, das Pututu (beide Blasinstrumente aus Horn), das Tamburin, Zampoñas (Hirtenflöte) und die Matracas (eine Art Ratsche).

Der Karneval von Oruro und das Fest Ichapenkene Pesta wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Die im Hochland übliche Kleidung besteht aus gewebten, bunten Stoffen, die aus Lama-, Alpaca- Vikinja- oder Schafswolle gefertigt und mit natürlichen Farben gefärbt werden. Die Stoffe, die unter anderem mit geometrischen, tier- und menschenähnlichen Mustern versehen sind, werden Aguayos genannt (das Wort ‚awayo‘ kommt aus dem Quechua und bedeutet ‚weben‘). Auf diese Elemente trifft man in Aymara-, Quechua-, Uru-, Chipaya-, Huarani- und Tupihuarani-Gemeinden; sie variieren von Gemeinde zu Gemeinde in ihren Farben und Tönen. Die Indigenas, die in die Städte migriert sind, tragen ebenfalls traditionelle Kleidung, die ihren Ursprung in der Kolonialzeit hat. Am deutlichsten ist dieses Erbe an der Kleidung der Frauen zu erkennen. Dabei unterscheidet sich die Kleidung von Frauen aus Potosí, Oruro, La Paz, Cochabamba, Chuquisaca und Tarija eindeutig. Auch die afrobolivianischen Gemeinden in La Paz haben ihre Traditionen, Musik und natürlich ihre charakteristische Kleidung bewahrt.

Die östlichen Regionen Boliviens, zu denen die Departamentos Santa Cruz, Beni und Pando gehören, bestehen aus Flachland; dort herrscht ein heißes, tropisches Klima. Deshalb weisen sie andere Merkmale hinsichtlich der Kleidungsstile auf. Und auch hier sind es die Frauen, an denen sich die die ganze Pracht der typischen Kleidung zeigt: Die Tipoy – so werden ihre Kleider genannt – sind lang und haben kurze Ärmel mit Spitzen oder bunten Schleifen und bestehen aus einem einzigen Stück Stoff. Sie werden aus weichem, buntem Garn in lebhaften Farbtönen und mit Blumenmustern gefertigt. Ihr Haar schmücken die Frauen gerne mit einer Blume, oder sie tragen ein oder zwei geflochtene Zöpfe. Die Männer tragen Sombreros aus Korbweide oder Leder und mit breiten Krempen, die sich sehr gut für die Arbeit auf dem Feld eignen, wo häufig hohe Temperaturen herrschen.